Filou on Tour: Besuch im Atelyeah

(03. Aug. 2019) Letztes Jahr war Mama während ihres Urlaubs in Mönchengladbach in einem Wollgeschäft, von dem sie noch Wochen später geschwärmt hat. Und ihre Einkäufe im letzten Jahr waren auch gaaanz toll, das kann ich als Fachschaf bestätigen. Als es dieses Jahr wieder hieß, dass der Familienurlaub meine Familie in Papas alte Heimat führen sollte und Mama meinte, sie will AUF JEDEN FALL wieder in dieses Wollparadies (ja, so hat sie gesagt), war für mich klar: „ICH WILL AUCH!“ Auch, wenn das bedeutet, dass ich meine geliebte Sofa-Ecke für länger als ein paar Stunden verlassen muss. Was macht schaf nicht alles für Wolle.

Gestern war es nun endlich soweit: Mama weckte mich, wir frühstückten ausführlich (Memo für den Einkaufszettel: Die Gänseblümchen sind alle!) und dann stieg fast die ganze Familie ins Auto und fuhr in die Stadt.

Ich war ja sowas von aufgeregt! Mama hatte mir schon soviel von dem Paradies erzählt, dass ich schon Angst hatte, enttäuscht zu werden, weil Mama einen Hang zu Übertreibungen hat. Aber pssst! Nicht Mama sagen, dass ich das geschreibt habe, ja?

Jedenfalls fuhren wir los. Naja, Papa fuhr, Mama und ich saßen auf dem Beifahrersitz und meine Brüder hinten. Es war abgemacht worden, dass Papa Mama und mich bei unserem Ziel rausschmeißt und die Jungs dann weiterfahren zum Shoppen. Mama und ich hatten ein Wollness-Programm auf dem Zettel 😉

Geplant, getan: Papa hielt schon gut zehn Minuten später am Straßenrand, ich sprang auf Mamas Schulter und wir zwei beiden gingen los. Aber Mama ging nur über die Straße und betrat dann ein Grundstück. Ein Wollgeschäft? Hier? In einer Wohnstraße? In SO einem Haus? Groß, weiß, wunderschön und alt? Echt jetzt? Doch dann sah ich auf der Tür den Schriftzug „Atelyeah“ und ich wußte, dass Mama richtig gelaufen ist. Aber so richtig glauben konnte ich es doch nicht.

Also, wir gingen rein und standen in einem Flur. Hmm … Okay, es ist ein Geschäft, denn da stand ein kleiner Tresen mit einer Kasse. Und hinten an der Wand hängt ein Display mit Handarbeitsbüchern. Okay … also mit Wolle hat das hier was zu tun. Aber wo ist die tolle Wolle, von der Mama geschwärmt hatte?

Als ich Mama das gefragt hatte, grinste sie nur und ging nach rechts in den Raum rein. Und da war ich dann baff: Da war sie! Wolle! Und soooo toll … Und da waren nicht nur Knäule und Stränge, sondern auch Zubehör wie Stricknadeln, Knöpfe (aber nicht diese 08/15 wie im Kaufhaus, sondern so richtig tolle, schicke), Stricknadeltaschen, Anleitungsbücher und noch viel mehr. Und da standen noch so Schneiderpuppen mit gestrickten Pullis und Jacken und in einem Fenstern hing ein gehäkeltes Tuch und … ach, war das schön! Doch guck mal selber:

Also, diese Wolle fand ich schonmal wunderhübsch. Im Hintergrund siehst Du übrigens eines der tollen Anleitungsbücher.

Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Modell daraus gearbeitet wurde. Hübsch, nä? Meinen Cousinen würde das wohl auch gefallen tun.

Was mir auch ganz doll gut gefallen tut, ist dass die Wolle nicht in popeligen Regalen liegt, sondern in schönen Schränken. Das passt richtig gut zu dem Haus und zu der Wolle. Und was für Wolle! Alleine in diesem Raum habe ich Islandwolle gefunden und und und … ach, ich weiß gar nicht. So viel verschiedenes und so viel tolles und so viel, was ich vorher noch nie nicht gesehen habe.

In dem gleichen Raum fand ich auch den ersten Kollegen, doch der war etwas unnahbar. Ich mußte klettern und dann hat der mich immer noch nicht beachtet. Ob er schüchtern ist?

 

 

 

 

 

Niedlich ist er aber 😉

Aber was meinst Du, wie ich gestaunt habe, als Mama den Raum verließ und sagte: „Wenn Du das hier schon toll findest, dann warte mal ab, was in den anderen Räumen ist.“ Andere Räume? Echt? Ich war ja jetzt schon ganz geplättet, wie sollte das noch besser werden? Doch was soll ich sagen? Es WURDE noch besser! Da stand ich plötzlich vor Alpaka, Mohair und sogar Yak-Garn! Ich meine, ich bin vom Fach, aber von Yak-Garn hab ich noch gar nix gehört gehabt. Ich dachte, die geben nur Milch und schleppen Lasten. Aber Garn? Hmmm …

Also, ich sprang wieder auf Mamas Schulter und gemeinsam gingen wir an der Kasse vorbei nach hinten. In dem Durchgangsraum dahinter stand ein Regal, voll mit Wollsträngen. Das sah so schön weich und gemütlich aus, das ich da unbedingt mal reinspringen mußte:

Was soll ich sagen? Echt gemütlich 😉 Aber von diesem Garn wollte Mama nix haben tun. Da konnte ich reden soviel  ich wollte. Alles, was Mama sagte, war: „Warte ab, da kommt noch mehr.“ Noch mehr??? Die macht mich fertig!

Tatsächlich hingen und lagen in dem gleichen Raum noch andere tolle Garne, u.a. das schon genannte Yak-Garn in zwei Stärken (und vielen tollen Farben) und wunderschönes Garn aus Irland.

Und schon gingen wir in den nächsten Raum. Dort standen links und rechts Tische, auf denen – was auch sonst – Garne lagen. Scheinbar waren das Restposten, ich kann mich aber auch täuschen tun. Jedenfalls war da auch so wunderschönes Garn, daran konnte ich mich gar nicht sattsehen dran. Mama konnte gar nicht so schnell zugreifen, da saß ich auch schon auf dem Tisch und guckte. Aber ganz bestimmt, ich habe nur geguckt, nicht angefaßt:

Siehst Du? Meine Klauen halte ich bei mich. Es fiel aber sehr schwer, weil das Garn ist so richtig kuschelig weich. Und es paßt perfekt zu meinem Fell.

Hier siehst Du nochmal, dass da noch mehr tolles Garn lag. Die beiden Strang hinter mir, die grün-rosa, sind von der gleichen Qualität wie die schwarz-grauen, die ich da grade anhimmel. Und dann sind da noch die einfarbigen und … *seufz*

 

 

Mama riß mich aus meinen Träumen und meinte, das war immer noch nicht alles. So langsam zweifelte ich, war aber auch unheimlich neugierig. Wir gingen wieder in den Raum, in dem u.a. die Yak-Wolle hing, bogen aber gleich nach rechts ab in noch einen neuen Raum. Dort standen wieder rundherum offene Schränke und Körbe und große Taschen und Gestelle, und überall lag oder hing Wolle, primär Stränge, aber auch Knäule und Konen. Da war Ito-Garn und Leinengarn und … viel zu viel, als dass mein kleines Schaf-Hirn das alles behalten könnte. Und auf dem großen Tisch in der Mitte lag auch noch ganz doll viel! Aber war doch klar, dass ich nicht zu halten war, oder? Mama hatte ein Einsehen und ließ mich laufen. Sie weiß ja, dass ich vorsichtig bin mit solchen Schätzen. Ich bin halt vom Fach 🙂

Ich muss aber gestehen, dass es mir schwergefallen ist, mich zu beherrschen. Und als ich Körbe voller Knäule sah, dick und fett und kuschelig aussehend, da war es um mich geschehen und ich machte einen Köpfer in den Korb. Zu meinem Leidwesen hat Mama das fotografisch festgehalten:

Und hier noch mal von weiter oben:

Nachdem ich wieder aufgetaucht bin, ist mein Blick auf einen Schrank voller wunderschöner Wollstränge gefallen. DIE musste ich mir natürlich näher angucken und so kletterte ich aus dem Korb und ins Regal. Wir Schafe sind ja Kletterkünstler, daher war das für mich kein Problem. 

Aber für Mama 😉 Jedenfalls pflückte sie mich bald aus dem Regal und wir gingen zusammen in den letzten Raum. Dort war es wieder ganz anders: Es gab Regale und Tische, aber auch gemütliche Sessel und ganz viel gestricktes, was da so rumlag. Auch angenadelte Projekte lagen da rum, aber ich weiß ja, dass ich die nicht anfassen tu, damit da nicht Maschen von den Nadeln rutschen tun. Auf jeden Fall war das der perfekte Raum, um sich von all den tollen Eindrücken ein wenig auszuruhen. Und das tat ich auch:

Das war ja nun schonmal echt gemütlich. Mama hat mich zwar ermahnt, ich solle vorsichtig sein, nicht dass der Stapel umfällt und ich auf mein Näschen plumpse. Aber ich bin IMMER vorsichtig. So langsam sollte sie das eigentlich wissen tun, oder?

Naja, jedenfalls wir sind ja nicht nur ins Atelyeah gefahren, um Wolle zu gucken, sondern Mama wollte ja auch Wolle kaufen. Ich meine, sie hat ja eigentlich mehr als genug. Und das hatte ich ihr auch gesagt gehabt, als wir auf dem Weg zum Atelyeah waren, und ich hatte gar nicht verstanden gehabt, warum sie da gelacht hatte. Nachdem Mama mir hier aber die ganzen Räume und all das wundertolle Garn gezeigt hatte, wußte ich, warum sie unbedingt zum Atelyeah wollte und warum sie da unbedingt Garn kaufen wollte. Also, ich kenne noch kein Geschäft in Hamburg, das diese mega-mäßige und exquisite Auswahl hat.

Wie dem auch sei, ich hatte Mama gebeten, mir eine kleine Pause zu gönnen. Sie könne ja gerne alleine gucken gehen und sich vielleicht schonmal das eine oder andere Garn aussuchen tun. Ich würde dann später sagen, ob ich mit ihrer Auswahl einverstanden bin. Sie war mit meinem Einfall einverstanden und zog los, während ich mir ein gemütliches Plätzchen suchte. Und damit hatte ich schon wieder ein Problem: Welches nehm ich?

Deshalb fragte ich das einheimische Schaf, welchen Platz es denn empfehlen könnte. Wir Schafe unter uns verstanden uns natürlich auf Anhieb, auch wenn dieser Kollege etwas … ähm … verknautscht aussieht. Aber er ist sehr lieb und hilfsbereit. Schaf halt. Und ich konnte feststellen, dass sein Rat wirklich sehr gut war. Mama hat mal wieder geknipst, ohne dass ich es gemerkt habe:

 

Sie meinte, das sah richtig süß und entspannt aus, wie ich da lag. Ich weiß gar nicht, was sie hat: Ich bin IMMER süß. Und wenn ich schlafe, bin ich IMMER entspannt.

 

 

 

Nach meinem Nickerchen ging ich mit Mama nochmal auf Tour durch die Räume. Dabei spielte ich mal wieder Model:

Steht mir gut das Tuch, oder?

Zurück in dem großen Raum, in dem ich meinen neuen Kumpel kennengelernt hatte, fand ich auf einem Tisch nochmal ganz doll dicke, ganz doll tolle und ganz doll kuschelige Wollstränge. Und wieder war da kein Halten mehr und ich genoß das Garn in vollen Zügen:

So sehe ich ja nun doch etwas hingeklatscht aus, finde ich. Da ist dringend ein Perspektivenwechsel nötig. Mama macht es möglich:

Siehst Du den Genießerblick?

Wie gesagt, Mama hat Wolle gekauft und ich habe sie begutachtet.

Ich finde, sie hat gut ausgesucht. Da ist ganz viel Baumwollgarn von Scheepjes dabei, in vielen verschiedenen Farben. Und die grünen Stränge sind irische, wo Mama sagt, dass sie schon so ziemlich genau weiß, was sie daraus machen will. Und das weiße Garn ist Leinengarn, auch wundertoll und wird was luftig-leichtes Spitziges, sagt Mama. Und die gelb-bunten Stränge werden wohl was für meine Cousinen, sagt Mama. Und dann, große Überraschung und das hat mich auch ganz ganz doll gefreut, hat Mama auch noch die grau-schwarzen Stränge eingepackt, in die ich mich vorher irgendwann verliebt gehabt habe. Ich hab eine tolle Mama, oder?

Jedenfalls hat Mama sich erschreckt, als sie erfahren hat, was der Korb voll wundertoller Wolle kostet. Aber ich hab sie beruhigt, schließlich hatte Papa ja auch gesagt, sie soll sich was gönnen tun. Und das hat sie.

Achja, vor lauter Wolle-Schwärmen hab ich ja was ganz doll wichtiges fast vergessen: Michaela, die Eigentümerin des Atelyeah. Die sieht nämlich nicht nur gut aus mit ihrer roten Löwenmähne, sie ist auch eine echt liebe und ich durfte alles machen, was ich wollte, ohne dass sie gemeckert hätte. Ich glaube, Mama war da etwas strenger (aber nicht viel, weil sie kennt mich ja. Oder obwohl sie mich kennt?) Egal, auf jeden Fall freue ich mich schon darauf, nächstes Jahr wieder ins Atelyeah zu gehen und zu gucken, inwieweit sich das Angebot verändert hat. Aber dann weiß ich ja schon, was mich erwarten tut und ich werde nicht mehr so überfordert sein ob der ganzen Eindrücke.

Wenn wir wieder zu Hause sind, dann sag ich Mama auch mal, dass sie mal ein Foto von all ihren neuen Schätzen machen tut, vielleicht auch mit Marke und Material dabei. Dann kannst Du auch gucken tun, was Mama da so für Träume erstanden hat. Das dauert aber noch ein paar Tage.

Bis zum nächsten Mal,

Dein Filou